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Seit Juni 1992 existiert auf einer Anhöhe über dem Nordostufer des Starnberger Sees eine kleine Sternwarte. Auf dem Grundstück der Gemeinde Berg stehen abseits störender Lichtquellen eine Beobachtungskuppel und zwei Rolldachhütten. Die Gebäude beherbergen verschiedenste Teleskope für die Himmelsbeobachtung: vom 5-Zoll-Refraktor bis zum 16-Zoll-Schmidt-Cassegrain-Spiegelteleskop. Mittlerweile zählt der Verein fast 80 Mitglieder, von denen einige in ehrenamtlicher Arbeit an den öffentlichen Führungen mitwirken.


Illustration des Leoniden-Meteorstroms, Nordamerika am 12./13. November 1833 (E. Weiß: Bilderatlas der Sternenwelt, 1888), Quelle: Wikipedia.deIm November sind, neben den am Monatsanfang auslaufenden Strom der Orioniden, deren Beobachtung vom Vollmond (3.11.) stark beeintächtigt wird, noch die nördlichen Tauriden und der bekannte Sternschnuppenstrom der Leoniden am Himmel zu beobachten:

Die nördlichen Tauriden haben ihren Radianten (Stelle am Himmel, aus der die Sternschnuppen zu kommen scheinen) im Sternbild Stier (lat. Taurus).  Neben den nördlichen, gibt es auch den Strom der südlichen Tauriden, der schon seit Mitte September aktiv ist und dessen Radiant ebenfalls im Stier liegt. Ursprungskörper ist in beiden Fällen der Komet 2P/Encke. Am 12. November, dem Maximum der nördlichen Tauriden, ist mit bis zu maximal 5 Sternschnuppen/Stunde zu rechnen. Hinzu kommt leider, dass in der zweiten Nachthälfte der helle Mond die Beobachtung stört. Wenigstens ist in der ersten Nachthälfte die Beobachtung nicht beeintächtigt.

Die Leoniden sind ein Meteorstrom, dessen Sternschnuppen aus dem Sternbild des Löwen (lat. „Leo") zu kommen scheinen. Verursacht wird der Sternschnuppenstrom durch den kurzperiodischen Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Auf seiner ca. 33 Jahre dauernden Bahn um die Sonne, hinterlässt er Unmengen von Staubteilchen. Wenn die Erde diese „Schmutzspur" kreuzt, verglühen die auf die Erde fallenden Staubteilchen in der Atmosphäre und können als Sternschnuppen wahrgenommen werden.

In den Jahren, in denen der Komet seine Schmutzspur wieder aufgefrischt hat – das war das letzte Mal 1999 – kann man mit besonders vielen Leoniden rechnen. So sind 1966 einige tausend Meteore pro Stunde beobachtet worden. 1833 sollen es sogar bis zu 200 000 pro Stunde gewesen sein. Für 2017 wird eine Rate von 10-20 Sternschnuppen/Stunde im Maximum erwartet. Ein Wert, der aber wie immer mit Vorsicht zu genießen ist:

Der Meteorstrom ist vom 10. – 21. November aktiv.
Das Maximum ist am 17. November gegen 17:29 Uhr MEZ zu erwarten. Der Radiant steigt aber bei uns erst etwa 6 Stunden danach über den Horizont. Trotz der guten Lichtverhältnisse (Neumond am 18.11.) werden also nicht viele Leoniden bei uns sichtbar werden..
Somit wird 2017 wohl, wie schon 2016, kein besonderes Leonidenjahr.

Bild: Illustration des Leoniden-Meteorstroms, Nordamerika am 12./13. November 1833 (E. Weiß: Bilderatlas der Sternenwelt, 1888), Quelle: Wikipedia.de

Im Oktober gibt es neben einigen schwachen Sternschnuppenströmen, zwei Ströme, die in diesen Monat einige Meteore hervorbringen könnten:

Radiant der DraconidenDie Draconiden sind im Zeitraum vom 6. bis 10. Oktober aktiv. Sie scheinen dabei aus dem "Kopf" des Sterbildes Drache zu kommen (Radiant, siehe nebenstehendes Bild).  Das Maximum am 8. Oktober fällt sehr unterschiedlich aus. In den Jahren 1933 und 1946 konnten bis zu 10.000 (!) Meteore pro Stunde (=Zenithal Hourly Rate, ZHR abgekürzt) beobachtet werden. 1985 und 1998 wurde eine ZHR von über 500 Meteoren erreicht. 2011 wurden 300 Meteore pro Stunde erreicht. Die Häufung der Meteore scheint einem 13 Jahresrhythmus zu unterliegen, was etwa zwei Umlaufperioden des Kometen 21P/Giacobini-Zinner entspricht. Diese Staubspur des Kometen ist für die Meteore verantwortlich.
Für 2017 ist keine erhöhte Aktivität vorausgesagt und der Mond (Vollmond am 5.10.) wird die Beobachtung der Sternschnuppen sehr beeinträchtigen.

Radiant der OrionidenDie Orioniden sind ein vom 2.10. bis 7.11. aktiver Sternschnuppenstrom. Wie der Name schon sagt, ist ihr Radiant im Sternbild Orion zu finden, etwa 10° nördlich des bekannten roten Riesensterns Beteigeuze. Zum Maximum am 21.10. kann eine ZHR von bis zu 15 Meteoren pro Stunde beobachtet werden. Da der Radiant mit dem Sternbild Orion erst in der zweiten Nachthälfte eine nennenswerte Höhe über dem Horizont erreicht, ist diese Anzahl erst in den frühen Morgenstunden zu erwarten. Dafür ist aber auch schon in den Nächten vom 19.10. bis 23.10 eine erhöhte ZHR beobachtbar. Der fehlende Mond (Neumond am 19.10) lässt gute Beobachtungsbedingungen zu - sofern das Wetter mitspielt.
Der Ursprungskörper des Stromes ist der berühmte Halleysche Komet, dessen Staubspur über Jahrtausende zu losen Wolken zerstreut wurde. Dies erklärt auch den langen Aktivitätszeitraum und das breite Maximum dieses Stromes.

Quelle: Wikipedia, Bilder erstellt mit dem Freewareprogramm Stellarium

Auch wenn im September nur noch der Planet Saturn am Abendhimmel freiäugig zu sehen ist, tummeln sich am Morgenhimmel gleich drei helle Planeten.
Zu ihnen gesellt sich am 18.09. noch die schmale Mondsichel:

So könnte der Morgenhimmel am 18.09. gegen 6:40 Uhr bei klarer Sicht auf den Osthorizont aussehen:Planeten am Morgenhimmel des 18.09.2017

Den Himmel dominiert die helle Venus, darunter die schmale Mondsichel.
Knapp über dem Horizont sind die Planeten Mars und Merkur.
Der helle Stern direkt oberhalb des Mondes ist Regulus, der hellste Stern im Sternbild Löwe.
Ein schöner Anblick für Frühaufsteher!

Das Bild wurde erstellt mit der Freeware Stellarium.
(Klicken Sie auf einfach das Bild um es größer zu sehen)

Nachdem uns, neben den ungünstigen Beobachtungsbedingungen, auch noch das Wetter das Beobachten der Perseiden am 12./13. August zunichte gemacht hat, sind im September nur schwache Sternschnuppenströme zu beobachten.

Den Anfang machen die schon ab dem 28 August bis zum 5. September aktiven Aurigiden (auch als Alpha-Aurigiden bekannt). Der Radiant dieses Stromes befindet sich im Sternbild Fuhrmann (lat. Auriga), südlich des hellen Sterns Capella..
In der Nacht vom 31. August zum 1. September erreichen sie ihr Maximum mit einer durchschnittlichen Fallrate von 6 Meteoren pro Stunde.
In den Jahren 1935, 1986 und 1994 wurden Ausbrüche des Stroms mit Raten zwischen 30 und 40 Meteoren pro Stunde registriert. 2007 wurde sogar eine Fallrate von 120 Meteoren pro Stunde erreicht. Diese Maxima dauern aber nur ca. 1-2 Stunden und werden durch das Eintreten der Erde in die Staubspur des Ursprungskörpers, dem Kometen C/1911 N1 (Kiess), erklärt. Dieser Komet hat eine Umlaufszeit von annähernd 2500 Jahren und wurde 1911 entdeckt.

Ein zweiter schwacher Meteoritenstrom sind die September-Perseiden.
Dieser Strom, mit einer Fallrate von etwa 5 Meteoren pro Stunde, hat sein Maximum am 9. September. Der Radiant wandert im Sternbild Perseus vom Stern Algol (Beta Persei)  hin zu Epsilon Persei, weshalb der Strom auch manchmal September-Epsilon-Perseiden genannt wird.
Ein Ursprungskörper dieses Stromes ist nicht bekannt.

Quellen: Wikipedia und Sterne und Weltraum Heft 09/2017