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Seit Juni 1992 existiert auf einer Anhöhe über dem Nordostufer des Starnberger Sees eine kleine Sternwarte. Auf dem Grundstück der Gemeinde Berg stehen abseits störender Lichtquellen eine Beobachtungskuppel und zwei Rolldachhütten. Die Gebäude beherbergen verschiedenste Teleskope für die Himmelsbeobachtung: vom 5-Zoll-Refraktor bis zum 16-Zoll-Schmidt-Cassegrain-Spiegelteleskop. Mittlerweile zählt der Verein fast 80 Mitglieder, von denen einige in ehrenamtlicher Arbeit an den öffentlichen Führungen mitwirken.


Im Juli 2012 jährt sich ein bedeutendes Ereignis zum 20. Mal: Am 8. Juli 1992 eröffnete der damalige Berger Bürgermeister Josef Ücker die Oberbayerische Volkssternwarte Berg auf dem Gelände der Wasserversorgung an der Lindenallee! Die ursprüngliche Idee für die Einrichtung stammte von dem Berger Bürger Prof. Christian Jutz, einem emeritierten Chemie-Professor der Technischen Universität München. Seinem Einsatz und seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass seitdem der Öffentlichkeit in und um Berg eine Sternwarte in einer idealen Umgebung zur Verfügung steht. Aus diesem Grund wurde er nun im vergangenen Juni von der Gemeinde Berg für sein Engagement "mit viel Herzblut und Überzeugungskraft" ausgezeichnet.

Im Jubiläumsjahr hat sich die Sternwarte natürlich auch etwas für ihre Gäste ausgedacht:

Bei allen öffentlichen Beobachtungsabenden im Juli 2012 zahlt jeder Besucher nur den halben Eintrittspreis!

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Kuppelbau 1992

In den vergangenen Jahrzehnten haben tausende Interessierte aller Altersgruppen - von Kindergartengruppen bis zu Seniorenvereinen - die Gelegenheit genutzt, und sich von ehrenamtlichen Amateurastronomen an verschiedenen Teleskopen den Sternenhimmel über Berg zeigen und erklären lassen.

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Eröffnung durch Bürgermeister Josef Ücker am 8. Juli 1992

Die Sternwarte, einige Jahre nach Gründung in "Christian-Jutz-Volkssternwarte Berg" umbenannt, entwickelte sich mit der Zeit stetig weiter. Neben der ursprünglichen Kuppel stehen inzwischen auch zwei weitere Beobachtungsgebäude mit zusätzlichen Teleskopen für Führungen bereit. Auch für Sonnenbeobachtungen am Tag existieren entsprechende Instrumente. Der zugehörige Verein zählt mittlerweile über 60 Mitglieder.

Gerade in den letzten Jahren ist ein erhöhtes Besucheraufkommen zu verzeichnen. Zahlreiche astronomische Ereignisse wie beispielsweise Sonnen- und Mondfinsternisse, sowie eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit weckten das Interesse der Bevölkerung.

Für den zukünftigen Führungsbetrieb ist es sehr wichtig, die Anlagen stets auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. So wurde beispielsweise 2011/2012 die gesamte Beobachtungskuppel umfangreich renoviert und mit einem neuen leistungsfähigem 14''-Spiegelteleskop und einer computergesteuerten Montierung ausgestattet.

Mit den neuen Gerätschaften und einem hochmotivierten Team ist auch für die nächsten 20 Jahre "Astronomie in Berg" gesichert!

Kurz vor Sonnenaufgang um 5:15 Uhr versammelten sich ca. 30 Sternwarten-Mitglieder und Besucher am 6. Juni 2012 auf dem unteren Pausenhof der Oskar-Maria-Graf Grundschule in Aufkirchen. Der versprochene Blick auf den angekündigten Venustransit ließ jedoch auf sich warten. Trotz anfänglicher Morgenröte versperrten dicke Wolken die Sicht auf die Sonne.

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Zum Glück konnten wir die Wartezeit jedoch gut überbrücken: An Schautafeln wurden den interessierten Gästen die Hintergründe zu dem seltenen Himmelsschauspiel erklärt. Über ein iPad mit Internetzugang konnten ausserdem Livebilder des Transits, aufgenommen von einem Teleskop in Norwegen, verfolgt werden.

Dann, kurz nach 6 Uhr wurden die Frühaufsteher für ihre Geduld belohnt. Plötzlich tat sich eine Wolkenlücke  auf und der Blick auf das Tagesgestirn wurde frei. Jetzt musste alles schell gehen. In kürzester Zeit schauten alle Anwesenden durch die zahlreichen Sonnenteleskope und sahen die Venus vor der Sonnenscheibe! Nach etwa 60 Sekunden versperrte jedoch schon wieder die nächste Wolke die Sicht und das morgendliche Spektakel war zu Ende. Aber das störte jetzt keinen mehr. Jeder hatte etwas gesehen, was erst zukünftigen Generationen wieder möglich sein wird.

Ironischerweise klarte der Himmel wenige Minuten nach dem Transit auf, so dass Fotos von einigen Sonnenflecken gemacht werden konnten.

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(Fotos: Stefan Schmid)

In den frühen Morgenstunden des 6. Juni 2012 wird in Mitteleuropa ein sehr seltenes und eindrucksvolles Himmelsphänomen zu beobachten sein. Der Planet Venus wandert, von der Erde aus gesehen, vor die Sonne und kann als kleiner schwarzer Fleck auf der Sonnenscheibe wahrgenommen werden.

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Um den Venustransit selbst zu beobachten, sollte man zum Sonnenaufgang um ca. 5:15 Uhr einen Standort mit freier Sicht zum östlichen Horizont aufsuchen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Transit schon in vollem Gange. Über eineinhalb Stunden kann die Schlussphase des Himmelsschauspiels verfolgt werden. Die Venus befindet sich hierbei im oberen rechten Bereich der Sonnenscheibe.

Sonnen-Beobachtungen sollte jedoch niemals mit ungeschützten Augen stattfinden. Augenschäden oder sogar eine Erblindung wären die Folge! Auch Sonnenbrillen sind für solche Zwecke ungeeignet. Am besten verwendet man die bei Sonnenfinsternissen üblichen Sofi-Brillen, die im Fachhandel zu erwerben sind. Mit diesem Hilfsmittel lässt sich die Venus als kleiner Punkt vor der Sonne sehen. Mehr Details können mit speziellen Sonnenteleskopen wahrgenommen werden. So kann bei idealen Bedingungen, zu Beginn und Ende des Transits, das an der Venusatmosphäre gebrochene Licht als schmaler Ring erkannt werden.

Auf dem Gelände der Christian-Jutz-Volkssternwarte Berg wird das Ereignis wegen hoher Bäume vor dem Osthorizont nicht zu sehen sein. Interessierte Besucher haben jedoch bei Sonnenaufgang die Möglichkeit, den Transit auf dem hinteren Schulhof der benachbarten Oskar-Maria-Graf Schule an der Lindenallee 8 in Aufkirchen zu verfolgen. Mitglieder der Sternwarte Berg stellen hierzu spezielle Sonnenteleskope und Projektoren auf und stehen für Fragen zu dem Himmelsschauspiel zur Verfügung.

Übrigens, wer diesen Ereignis verpasst, wird in seinem Leben keine weitere Beobachtungsmöglichkeit haben. Erst in 105 Jahren kommt es zum nächsten Venustransit, der nur unseren Enkeln und Urenkeln vorbehalten ist.

(Foto: A. Dellinger, B. Ruhdorfer)
In kaum einem anderen Land der Welt ist der Nachthimmel noch so dunkel und klar wie in Namibia. Das südafrikanische Land ist daher seit vielen Jahren ein beliebtes Reiseziel von Amateurastronomen.

Wir konnten Hans-Georg Schmidt von der Volkssternwarte München dazu gewinnen, uns faszinierende Bilder von einer etwas anderen Astronomie-Expedition nach Namibia zu präsentieren.

Der öffentliche Vortrag findet am 2. Mai 2012 um 20:30 Uhr im Katharina-von-Bora-Haus (Fischackerweg 10, 82335 Berg) statt. Der Eintritt kostet 5 Euro.

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Die Große Magellansche Wolke über Namibia, 2009, A. Mertenbacher